{"id":4522,"date":"2026-06-18T04:00:00","date_gmt":"2026-06-18T04:00:00","guid":{"rendered":"im-67574"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"der-oberste-gerichtshof-erweitert-die-moglichkeiten-steuerschulden-anzufechten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vwg.nl\/de\/hoge-raad-verruimt-mogelijkheid-om-belastingschuld-aan-te-vechten\/","title":{"rendered":"Der Oberste Gerichtshof erweitert die M\u00f6glichkeiten, eine Steuerschuld anzufechten"},"content":{"rendered":"<p>Ein Berater begleitet die Sanierung einer Unternehmensgruppe. Die Unternehmen gehen in Konkurs. Der Insolvenzverwalter macht den Berater f\u00fcr den Schaden der Gl\u00e4ubiger haftbar. Dieser Schaden besteht gr\u00f6\u00dftenteils aus Steuerschulden. Der Berater ist der Ansicht, dass diese Steuerschulden ungerechtfertigt sind, und m\u00f6chte, dass der Finanzbeamte sie zur\u00fccknimmt. Kann ein Au\u00dfenstehender die Steuerschuld eines anderen anfechten?<\/p>\n<h4>Insolvenz und Forderung von Peeters\/Gatzen<\/h4>\n<p>Im Jahr 2006 gehen sieben Gesellschaften in Konkurs. Der Steuerbeamte erl\u00e4sst Nachforderungsbescheide f\u00fcr Lohnsteuer und Umsatzsteuer. Der Insolvenzverwalter macht den Berater im Namen der Gesamtheit der Gl\u00e4ubiger wegen rechtswidrigen Handelns im Rahmen der Sanierung haftbar. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte Peeters\/Gatzen-Klage: Der Insolvenzverwalter klagt nicht im Namen der Insolvenzmasse, sondern im Namen aller Gl\u00e4ubiger gemeinsam. Das Berufungsgericht gibt der Klage statt und verurteilt den Berater zur Zahlung von Schadensersatz. Der Oberste Gerichtshof weist die Kassationsbeschwerde zur\u00fcck.<\/p>\n<h4>Neue Unterlagen tauchen auf<\/h4>\n<p>Jahre sp\u00e4ter erh\u00e4lt der Berater Unterlagen, aus denen hervorgeht, dass die Gesellschaften \u00fcberhaupt keine Umsatzsteuerschulden hatten. Er versucht, das Urteil aufheben zu lassen. Der Oberste Gerichtshof hebt die Ablehnung dieses Antrags auf und verweist die Sache zur\u00fcck. Schlie\u00dflich einigen sich der Berater und der Insolvenzverwalter. Doch damit ist die Sache noch nicht erledigt. Der Berater m\u00f6chte au\u00dferdem, dass der Finanzbeamte die Steuerbescheide zur\u00fcckzieht.<\/p>\n<h4>Der Empf\u00e4nger r\u00e4umt einen kleinen Fehler ein<\/h4>\n<p>Der Berater fordert den Steuerbeamten auf, die Steuerbescheide auf ihre sachliche Richtigkeit zu \u00fcberpr\u00fcfen. Der Steuerbeamte r\u00e4umt ein, dass ein Betrag von 14.006 \u20ac zu Unrecht nicht verrechnet wurde, weist den Antrag im \u00dcbrigen jedoch zur\u00fcck. Seiner Ansicht nach sind die Steuerbescheide nicht offensichtlich fehlerhaft. Der Berater wendet sich an das Zivilgericht und fordert die Aufhebung der Bescheide sowie Schadensersatz. Das Gericht und das Berufungsgericht weisen die Klagen ab.<\/p>\n<h4>Kehrtwende bei der Regresskonkurrenz<\/h4>\n<p>Der Oberste Gerichtshof fasst die Regeln zusammen. Wenn der Steuerbeamte jemanden f\u00fcr die Steuerschuld eines anderen haftbar macht, kann diese Person die Richtigkeit der Schuld vor einem Zivilgericht anfechten. Neu ist, dass dies auch im Falle einer Regresskonkurrenz gilt, also in der Situation, in der der Steuerbeamte und ein anderer Gl\u00e4ubiger beide Regressanspr\u00fcche gegen denselben Schuldner geltend machen. In diesem Punkt r\u00fcckt der Oberste Gerichtshof ausdr\u00fccklich von seinem im Jahr 2011 ergangenen Urteil in der Rechtssache Dumatrust\/Steuerbeamter ab.<\/p>\n<h4>Berater geht leer aus<\/h4>\n<p>Der Berater f\u00e4llt jedoch nicht unter diese Kategorien. Er wurde nicht vom Steuerbeamten haftbar gemacht, und es liegt kein Regresskonflikt vor. Es war der Insolvenzverwalter, der ihn haftbar gemacht hat. In einem solchen Fall muss sich der Berater mit dem Insolvenzverwalter auseinandersetzen, nicht mit dem Steuerbeamten. Der Steuerbeamte handelt erst dann rechtswidrig, wenn er bei der Einreichung oder Durchsetzung der Forderung wusste oder nach einer Pr\u00fcfung h\u00e4tte wissen m\u00fcssen, dass die Steuerbescheide fehlerhaft waren. Dies ist hier nicht nachgewiesen worden. Der Oberste Gerichtshof weist die Kassationsbeschwerde zur\u00fcck.<\/p>\n<div style=\"font-size:smaller\" class=\"im_source\">Quelle: Oberster Gerichtshof | Rechtsprechung | ECLI:NL:HR:2026:817 | 28.05.2026<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Berater begleitet die Sanierung einer Unternehmensgruppe. 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