{"id":4430,"date":"2026-05-07T04:00:00","date_gmt":"2026-05-07T04:00:00","guid":{"rendered":"im-67012"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"bei-betrug-gilt-kein-steuerabzug-aber-abfuhrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vwg.nl\/de\/doorgeefluik-bij-fraude-geen-aftrek-wel-afdracht\/","title":{"rendered":"Vermittlung bei Betrug: kein Steuerabzug, aber Abf\u00fchrung"},"content":{"rendered":"<p>Ein Beamter kauft \u00fcber Jahre hinweg private Waren auf Kosten seines Arbeitgebers. Dabei schaltet er eine Firma f\u00fcr B\u00fcroeinrichtung als Zwischenh\u00e4ndler ein. Diese Firma bezahlt die Lieferanten, stellt der Gemeinde eine Rechnung mit einem Aufschlag aus und zieht die Mehrwertsteuer auf den Einkaufsrechnungen ab. Der Steuerpr\u00fcfer lehnt den Vorsteuerabzug ab und erhebt die der Gemeinde in Rechnung gestellte Mehrwertsteuer nachtr\u00e4glich. Das Gericht in 's-Hertogenbosch gibt dem Steuerpr\u00fcfer Recht. Das Unternehmen ist kein Abnehmer der Lieferanten und kann die zu Unrecht in Rechnung gestellte Mehrwertsteuer nicht berichtigen.<\/p>\n<h4>\u00dcber acht Tonnen an privaten Eink\u00e4ufen<\/h4>\n<p>Der Beamte ist Leiter der internen Dienste einer Gemeinde. In dieser Funktion ist er befugt, Beschaffungsauftr\u00e4ge zu erteilen und Rechnungen zur Zahlung freizugeben. Davon macht er in gro\u00dfem Umfang Missbrauch. Er bestellt private Waren bei Lieferanten und l\u00e4sst die Rechnungen an ein B\u00fcroausstattungsunternehmen adressieren, das fester Lieferant der Gemeinde ist. Anschlie\u00dfend fordert er dieses Unternehmen auf, die Rechnungen zu begleichen, eine neue Rechnung mit einem Aufschlag von etwa 10% auszustellen und diese an die Gemeinde zu senden. Dazu stellt er Auftragsbest\u00e4tigungen mit vagen Beschreibungen wie \u2018erbrachte Leistungen\u2019 oder \u2018gelieferte Materialien\u2019 aus. F\u00fcr die Jahre 2013 bis einschlie\u00dflich 2016 bel\u00e4uft sich der Betrag auf \u00fcber 862.000 \u20ac.<\/p>\n<h4>Kein Abnehmer, kein Vorsteuerabzug<\/h4>\n<p>Das Gericht urteilt, dass das Unternehmen kein Abnehmer der Lieferanten ist. Der Beamte hat selbst Kontakt zu den Lieferanten aufgenommen und die Vertr\u00e4ge abgeschlossen. Das Unternehmen war lediglich an der administrativen und finanziellen Abwicklung beteiligt. Damit ist das Unternehmen kein Kommission\u00e4r. Die Vermittlung bezieht sich n\u00e4mlich nicht auf die Erbringung der Leistungen, sondern auf die Abwicklung bereits erbrachter Leistungen. Das Unternehmen hat daher keinen Anspruch auf Vorsteuerabzug f\u00fcr die von den Lieferanten in Rechnung gestellte Mehrwertsteuer.<\/p>\n<h4>Keine Berichtigung wegen ungerechtfertigter Bereicherung<\/h4>\n<p>Das Unternehmen hat der Gemeinde Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt, obwohl es selbst keine Leistungen erbracht hat. Diese Mehrwertsteuer muss es gesetzlich abf\u00fchren. Das Gericht weist den Antrag auf \u00dcberpr\u00fcfung dieser Mehrwertsteuer zur\u00fcck. Das Unternehmen hat die Rechnungen nicht korrigiert. W\u00fcrde die Mehrwertsteuer neu festgesetzt, w\u00fcrde das Unternehmen diese als Einnahme verbuchen, obwohl es der Gemeinde mitgeteilt hatte, dass die Mehrwertsteuer im Rahmen der Steuererkl\u00e4rung entrichtet werde. Dies w\u00fcrde eine ungerechtfertigte Bereicherung darstellen.<\/p>\n<h4>Vorschlag des Gerichts<\/h4>\n<p>Die Folge ist eine erhebliche finanzielle Belastung f\u00fcr das Unternehmen: kein Vorsteuerabzug und gleichzeitig die Abf\u00fchrung der der Gemeinde in Rechnung gestellten Mehrwertsteuer. Dar\u00fcber hinaus fordert die Gemeinde in einem Zivilverfahren Schadenersatz. Das Gericht schl\u00e4gt dem Steuerpr\u00fcfer vor, einen eventuellen Schadensersatz an die Gemeinde von der Nachforderungsbescheinigung abzuziehen. Denn f\u00fcr diesen Betrag liegt dann keine ungerechtfertigte Bereicherung mehr vor. Zu einem Vergleich ist es jedoch nicht gekommen.<\/p>\n<div style=\"font-size:smaller\" class=\"im_source\">Quelle: Berufungsgericht \u2018s-Hertogenbosch | Rechtsprechung | ECLI:NL:GHSHE:2026:741 | 17.03.2026<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beamter kauft jahrelang private Waren auf Kosten seines Arbeitgebers. 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